Lehrabschluss in Österreich

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Veröffentlicht am 4. Juni 2019 in Allgemein

Mitte Juli 2019 ist es wieder soweit: Dann endet die Einsendefrist für den diesjährigen Staatspreis “Fit for Future”. Damit zeichnet das Bundesministerium Digitalisierung und Wirtschaftsstandort Österreichs beste Lehrbetriebe aus. Der Staatspreis will nicht bloß herausragende Lehrbetriebe der Alpenrepublik für ihre Qualität ehren und neue Betriebe für die Lehrlingsausbildung gewinnen, sondern vor allem Jugendliche für eine Ausbildung in Lehrberufen interessieren.

Lehrlingsausbildung als Erfolgsmodell

Während andere Länder der Europäischen Union wie etwa Spanien über eine außerordentlich hohe Jugendarbeitslosigkeit klagen, belegt Österreich bei der Jugendbeschäftigung einen Spitzenplatz. Ein wesentlicher Grund dafür besteht im dualen System der Lehrlingsausbildung, die die Jugendlichen topfit für die Herausforderungen des heutigen Berufslebens macht. Die Kombination aus praktischer Ausbildung in den Betrieben und schulischer Vertiefung mit fachbezogenem Theoriewissen verbessert die Chancen jeder Bewerbung auf dem Arbeitsmarkt. Die duale Berufsausbildung kann mit Fug und Recht als rot-weiß-rotes Erfolgsmodell bezeichnet werden.

Bewerber mit Lehrabschluss im Vorteil

Wer lediglich über einen Pflichtschulabschluss verfügt, hat zumeist geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als Bewerber mit erfolgreichem Lehrabschluss. Pflichtschulabgänger können in der Regel nur für wenig qualifizierte und mäßig entlohnte Tätigkeiten eingesetzt werden. Eine Studie des Arbeitsmarktservice zeigt auf, dass die meisten offenen Stellen in Österreichs Wirtschaft einen Lehrabschluss voraussetzen. Dieser Trend verstärkt sich durch die immer bedeutungsvoller werdenden Auswirkungen der Digitalisierung. Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften hält unvermindert an.

Lehrabschluss nachholen

Ohne Lehrabschluss dazustehen, ist kein Schicksal. Jeder kann die Vorteile des dualen Ausbildungssystems für sich selbst nutzen und einen Lehrabschluss nachholen. Das Berufsausbildungsgesetz eröffnet jedem, der noch keinen formalen Berufsabschluss vorweisen kann, die Möglichkeit einer außerordentlichen Lehrabschlussprüfung. So bietet zum Beispiel das BFI Oberösterreich volljährigen Bewerbern, die schon eine in Frage kommende Berufspraxis gesammelt haben, den Erwerb eines Lehrabschlusses mit einer verkürzten Lehrzeit an. Die modular aufgestellten Ausbildungselemente sorgen für ein dichtes, aber darstellbares Programm, bei dem die Teilnehmer keine unnötige Zeit verschenken.

Interessen und Vorkenntnisse berücksichtigen

Teilnehmer können gezielt nach ihren Interessen oder Vorkenntnissen aus rund 200 Lehrberufen wählen. Das Spektrum reicht von Tätigkeiten in Tourismus und Gastronomie über technische oder kaufmännische Berufe bis hin zum Bereich IT und Medien. Ein positiver Lehr- oder ein berufsbezogener Schulabschluss bringt einen weiteren Vorteil: Für die Erlangung eines weiteren Lehrabschlusses ist lediglich eine Zusatzprüfung zu absolvieren, die bereits anderweitig bestandene theoretische Prüfung wird angerechnet.

Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen

Wer mit Erfolg einen Lehrabschluss nachholt, erhöht seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich. Dort gelten heutzutage nämlich andere Regeln als noch vor zwanzig Jahren. Die Digitalisierung durchdringt alle Sektoren immer weiter. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Beschäftigten und deren Tätigkeiten. Neue Berufsbilder und Ausbildungsberufe wie Informationstechnologie, E-Commerce-Kauffrau/ Kaufmann oder Applikationsentwicklung/ Coding künden davon.

Sich weiter entwickelndes Modell

Wer dank der dualen Ausbildung neben Praxiserfahrungen auch fundierte Theoriekenntnisse mitbringt, kann sich bedeutend flexibler und souveräner auf die geänderte Arbeitswelt einstellen. Obschon es ein Modell mit langer Geschichte ist, wirkt das duale Ausbildungssystem wie erfunden für die heutige Zeit. Das Geheimnis des Erfolgs liegt in ihrer Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Entwicklungen. Das Credo der dualen Ausbildung bestand nämlich immer darin, die Flamme weiterzutragen, nicht die Asche.

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